Yoga und das Iliosakralgelenk

In der „Normalbevölkerung“ kennt kaum einer das Iliosakralgelenk (ISG) oder Kreuzbein-Darmbeingelenk.

Unter Yoga-Übenden ist es berüchtigt. Denn diese beiden flächigen Gelenke, die Kreuzbein und Darmbein miteinander verbinden, bereiten fast nur Yoga-Übenden Probleme. Oft dauert es Jahre, bis Betroffene herausfinden, dass ihre massiven Rückenschmerzen nicht von einem verspannten unteren Rücken, einer Ischiasreizung oder den Bandscheiben herrühren, sondern von einem blockierten ISG-Gelenk.

Meist blockiert das Gelenk auf nur einer der beiden Seiten, meist nach vielen Jahren des Yoga-Übens, meist bei Frauen, die ohnehin schon überbeweglich sind und sehr oft bei Frauen, die ein oder mehrere Kinder geboren haben.

Es kommen also oft mehrere Faktoren zusammen, die dazu führen, dass das in der Regel extrem wenig bewegliche ISG nach und nach immer mehr Spielraum bekommt, verrutscht, blockiert und seinen Besitzern starke Schmerzen bereitet.

Warum das Iliosakralgelenk (ISG) blockiert

Ursache sind die Bandstrukturen. Diese Bänder sollten fest sein und es auch bleiben, denn sie melden dem Körper, wenn eine Bewegung eine Grenze erreicht, die nicht überschritten werden sollte. Die Muskulatur reagiert dann und stoppt die Bewegung.

Sind nun die Bänder durch falsches Yoga-Üben (übermäßige Vorbeugen, übermäßige asymmetrische Drehungen und Vorbeugen …), durch Schwangerschaft und Geburt oder durch Unfälle gedehnt, so kommt der Warnhinweis zu spät und das Gelenk verrutscht und blockiert.

Wie genau das funktioniert, beschreibt der amerikanische Yogalehrer und Wissenschafter Roger Cole hier sehr detailliert und endlich verständlich, allerdings auf Englisch.

Sein Rat: Betrachten Sie Ihr Kreuz- und Darmbein als eine Einheit und achten Sie im Üben darauf, dass das Kreuzbein nicht eine Bewegung weiter fortführt, wenn das Becken selbst schon ans Ende der Bewegung gekommen ist.

Das schränkt die Beweglichkeit von sonst so beweglichen Menschen zwar ein (und macht zunächst wenig Spaß) – aber es hilft.

Obwohl nicht bei jedem Menschen alle asana gleich wirken, hier eine Reihe von Übungen, die bei den meisten ISG-Patienten das Problem eher verschärfen:

  • Baddha Konasana: die geschlossene (sitzende) Winkelhaltung
  • Upavistha Konasana: die Vorbeuge aus der sitzenden Grätsche
  • Prasarita Padottanasana: die Vorbeuge aus der stehenden Grätsche
  • Utthita Trikonasana: das gestreckte Dreieck
  • Trikonasana parivritti: das gedrehte Dreieck
  • Virabhadrasana II: der Held mit ausgestelltem Fuß und aufgedrehtem Becken
  • Utthita Parsvakonasana: die gedrehte Winkelhaltung
  • Maricyasana: Drehsitz
  • Janu Sirsasana: Kopf-zu-Knie-Haltung
  • Parivritta Janu Sirsasana: gedrehte Kopf-zu-Knie-Haltung

Cole´s ausführliche Anleitung hier. Einige Yoga-Übungen bei ISG-Problematik gibt die amerikanische Yoga-Therapeutin Olga Kabel hier.

Denn ein instabiles Iliosakralgelenk bedeutet nicht, dass man kein Yoga mehr üben darf. Es bedeutet aber, dass es nötig ist, die eigene Praxis (und den eigenen Ehrgeiz, das Ego, die Eitelkeit…) zu hinterfragen und anzupassen.

Wenn Sie bei diesem Prozess Unterstützung suchen, rufen Sie mich an unter 08191/9378278 oder schreiben Sie mir an info@yoga-im-leben.com.

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