Die Niederlage der deutschen Fußballer und das Durchbrechen von Routinen

Quelle: Quelle: m5tef/pixabay
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Als die deutschen Fußballer schon in der Vorrunde kläglich aus der WM ausgeschieden sind, sagte jemand zu mir: „Ich bin kein besonders großer Fußballfan, aber es ist schade, dass es jetzt schon vorbei ist. Das hätte noch einige Wochen die Routinen durchbrechen können.“

Diese Aussage ist vor allem deshalb erstaunlich, weil sich viele Menschen freiwillig sehr stark in Routinen einrichten, sie aufbauen und für gewöhnlich auch daran festhalten. Offensichtlich genießen es aber auch diese Menschen, aus ihren Routinen auszubrechen, wenn sie nur einen Anlass dazu haben. Einen Anlass, wie ein Fußballspiel, das man zusammen mit Nachbarn und Freunden ansieht, oder sogar bei der Arbeit auf einem schnell improvisierten Viewing.

Routinen zu durchbrechen tut gut

Woher kommt das Potenzial im Fußball, selbst eingefleischte Routinen aufzubrechen?

Was ist es, dass die Menschen dafür bereit sind, alles über den Haufen zu schmeißen?

Und warum tut das so gut?

In den ersten Stunden dieses Kurses ging es bereits um Routinen und Rituale. Häufig werden beide Wörter gleichbedeutend verwendet. Aber sie unterscheiden sich.

Routinen und Rituale

Das Wort Routine gibt es im Deutschen erst seit dem 18. Jahrhundert. Wir haben es uns von den Franzosen ausgeliehen, und es verweist auf einen häufig genutzten Weg. Genau das ist Routine: Etwas, das wir häufig tun, wofür wir wenig Konzentration brauchen – das uns aber auch oft anödet.

Das Wort Ritual sagt etwas ganz anderes aus: Es kommt vom Lateinischen ritus, was „religiöse Zeremonie“ bedeutet. Es steckt aber noch etwas anderes darin, nämlich die indogermanische Wortwurzel „ri“ (also sind wir schon wieder ganz nahe am Sanskrit, der Yoga-Sprache). „ri“ bedeutet „fließen“. Ein Ritual ist also etwas, das fließt, vielleicht, weil die Abläufe immer gleich sind, aber vielleicht auch, weil es in uns etwas ins Fließen bringen kann.

Gleichgewicht heißt, im Fluss zu sein

Und genau darunter leiden ja viele Menschen: Dass es eben nicht fließt, dass im Körper Blockaden sind, dass die Dinge nicht rund „laufen“ (auch nur ein anderes Wort für fließen). Dieses „rund laufen“, das „einen Fluss haben“, empfinden wir als angenehm, es bringt ins Gleichgewicht.

Bei Routinen dagegen scheint es anders zu sein – da genießen wir, wenn sie einmal ins Stocken geraten, zumindest, wenn der Auslöser ein angenehmer ist. Das kann Fußball sein, aber auch alles andere.

In den vergangenen Stunden ging es vor allem darum, die Dinge, die wir tun, bewusst auszuführen, mit Anfängergeist. Dieser Anfängergeist tut uns immer gut und er macht auch frei, aus vorgegebenen Mustern auszubrechen. Dazu braucht es keine deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der WM – das geht immer.

 

Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muß sie die Treppe hinunterboxen, Stufe für Stufe.
(Mark Twain)

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